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Samstag, 6. September 2003, 12:58 Uhr

1:00 Uhr

durch bereits und ich habe immer noch keine Lust wegzugehen. Eigentlich würde ich ja gerne, denn die Wochenenden hier sind gezählt.

Aber irgendwie habe ich keine Lust schon wieder so frustriert zu werden wie gestern. Dabei fing der Abend gut an ... ich habe mich nach langer Zeit einmal wieder mit Kathleen getroffen, was mich richtig gefreut hat. Wir waren im ruums in Lan Kwai Fong, zum Glück aber fast nur Locals da. Typischerweise ist Hip Hop hier ganz groß, meistens sind auch ‘ne Menge ABCs oder CBCs (American/Canadian Born Chinese) dort, daher mag das kommen, aber woran soll ich die erkennen? Am Äußeren jedenfalls nicht ... :-)

Hartmut tauchte auch noch auf und wir sind dann ins dip, einem dieser anderen Hip Hop Schuppen. War ganz gut. Obwohl Hip Hop echt nicht so mein Ding ist. An erster Stelle rangiert eben immer noch House, dann Elektro, aber auf keinen Fall alles, was in die unsägliche Kategorie "Techno" fällt (was ich übrigens wieder in Shanghai gemerkt habe. Die Musik im Fusion war durchaus mit jeder Megadisco an der B irgendwieviel in Deutschland vergleichbar).

Anyway. Krass immer wieder, was die "In-People" hier so tragen. Ich habe mich nicht nur dran gewöhnt - nee - mittlerweile kann ich den Style sogar nachvollziehen. Bin definitiv zu lange schon hier. Kann man das sagen nach sechs Monaten?

Jedenfalls wollte ich danach ins drop, war aber tierisch voll und die Musik war richtig sch..., hm. Also mal als Alternative ins Homebase, denn das Liquid hat ja dichtgemacht.

Homebase ist okay, aber erstens tanzen dort wirklich nur Wenige und zum zweiten ist die Musik denkbar leise, weil der Laden sinnigerweise in ‘nem Residential-House ist. Nur, was ist Musik, wenn man sie nicht spürt?

Tja und erst recht der Gegensatz zu vorgestern: Donnerstag im drop war wie ein Familientreffen. Es waren alle da, die man vom Sehen oder anderen Aktivitäten kennt. Die Musik war grandios, "unser" DJ traf 100%ig die Stimmung, niemand ging, bevor wirklich und wahrhaftig das Licht anging. Und seit langem war ich mal wieder in der raren Situation, eins mit mir selbst zu sein. Normalerweise schaffe ich es nicht, den Beobachter in mir abzustellen; ständig taxiere und bewerte ich mich selbst und die Geschehnisse und Menschen um mich herum. Führt natürlich nicht zu besonderer Gelassenheit. Nur wenn ich Musik höre kann ich das wirklich abschalten; wenn der Soundtrack stimmt, ist einfach alles gut - ich kann einfach loslassen und mein hyperaktives Hirn vergessen.

Ich werde nie verstehen, warum andere Menschen fürs Tanzen Drogen brauchen ... wenn mich die Musik erwischt, brauche ich einfach gar nichts mehr. Weil an diesem Tag aber nicht nur das, sondern einfach alles stimmte, haben anscheinend mehr Endorphine als sonst ihren Weg zu den Rezeptoren gefunden. Einfach nur Augen zu, den Beat fühlen und vor sich hinlächeln. Die ganze Umwelt verschwindet, da ist nur noch Sound und Licht und Bewegung.

Gestern hingegen: Zu leise, um wirklich abzugehen. Und irgendwie fand ich auch nicht meinen Takt. Ja und dann wird es wirklich ätzend ... nämlich wenn einem der Körper echt einen Strich durch die Rechnung macht. Statt der Endorphinpumpe wird irgendeine andere Drüse tätig. Statt Lockerheit nur noch Überaufmerksamkeit. Und prompt bin ich wieder der Christian von vor zehn Jahren. Vielleicht nicht äußerlich, aber innerlich schon. Schüchtern, blockiert, nicht fähig zur Konversation und sich selber dafür hassend. Teufelskreis. Dabei merke ich sogar an meinem Gegenüber, dass ich nicht zur unattraktiven Sorte gehöre und ich eigentlich nur den ersten Schritt tun müsste ... aber irgendwie ... traue mich nicht ...

Nicht dass ich etwas dagegen hätte, richtig gutaussehende Menschen (die dafür auch bezahlt werden) um mich herum zu sehen, aber wenn das dazu führt, dass ich mich nicht mehr wohl fühle, dann kann ich wieder nur zu gut nachvollziehen, warum sich Andere entweder nicht in deren Nähe aufhalten, sich betrinken oder zu etwas eleganteren Methoden greifen, diese Pickel auf dem Selbstbewusstsein zu ignorieren. Natürlich ging nichts, denn weder das eine noch das andere liegt mir. Aber tapfer weitermachen ... vielleicht wird es ja besser ... (sehr hoffnungsvoll - war ja schon 4:30 Uhr). Wurde natürlich nicht besser. Im Morgengrauen nach Hause, genervt schlafen gelegt.

Und jetzt? Mittlerweile fast zwei Uhr. Dasselbe Dilemma wie immer nach solchen Nächten: Keine Lust wegzugehen, weil - was, wenn es heute wieder so wird? Auf der anderen Seite weiß ich ganz genau, dass wenn ich heute nicht noch mal laute Musik höre die ganze Woche über das Gefühl haben werde, irgendetwas verpasst zu haben.

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