(Tut mir leid, ich weiß, dass das nicht hierhin gehört, aber ich muss einfach.) Das ist ja ein echtes Trauerspiel, was momentan in der deutschen Politik abgeht.
Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, die falsche Partei gewählt zu haben, aber jede Alternative wäre ähnlich schlimm gewesen.
Schröders Wahn-Vorstellung zur Wahlnacht wird mir als eine der peinlichsten Sendungen in Erinnerungen bleiben, die ich jemals gesehen habe. Meine Güte, was ging an diesem Abend nur in dem Mann vor? Hatte der was geschluckt? Wie konnte dieser Mann Kanzler werden?
Die CDU auf der anderen Seite mit ihrem Vorzeigesteuermodell, das sie ja anscheinend niemals ernsthaft selbst in Betracht gezogen haben und der internen Demontage ihrer Spitzenkandidatin noch vor Wahlende - besseres Chaos hätte keine Linkspartei vorführen können.
Ich hatte mich ja schon mit der großen Koalition abgefunden und sogar fast Hoffnung geschöpft, dass nach der Wahl doch die Vernunft wieder Einzug in die Köpfe hält - aber weit gefehlt, es geht sogar noch schlimmer als man sich das jemals hätte vorstellen können. (Das Wahlergebnis hatte ich übrigens so Eins A eine Woche vorher meinem britischen Freund David prophezeit.)
Erst die Müntefering/Nahles-Katastrophe und nun dieses Kleinkind Stoiber - kann der Mann sich denn nicht einfach mal entscheiden? Warum zum Henker hat der denn nicht gleich gesagt, dass er in Bayern bleibt? Hätten glaube ich alle besser gefunden.
Nur was jetzt? Ich gebe einer großen Koalition - falls sie überhaupt noch kommt - maximal zwei Jahre. Neuwahlen sofort? Und wen aus dieser Muppetsshow sollte man jetzt noch wählen?
Aua, aua, aua. Einfach nicht mehr hinsehen und die Politik möglichst wenig am Alltag teilhaben lassen.
Thomas Fricke, Chefökonom der FTD und für mich der interessanteste Wirtschaftskommentator in der deutschen Presse, hat einen Artikel geschrieben: “Am schönsten ist es ohne Regierung”. Hier der Link:
http://www.ftd.de/me/cl/29084.html
Etwas süffisant geschrieben, aber nicht ganz falsch. Zumindest sollte dem Wahlvolk doch langsam mal klarwerden, dass Politiker in Sachen Wirtschaftspolitik eigentlich nur eines wirklich bewirken können: Dinge kompliziert machen. Dass zu Wahlkampfzeiten immer noch großartige Wirtschaftsaufschwünge und Arbeitsplätze versprochen werden, ist der blanke Hohn.
Ich bin weit davon entfernt, mich Wirtschaftsliberaler zu nennen, aber trotzdem denke ich auch, dass die Politik eher eine Wächter- und Schutzrolle übernehmen sollte, statt sich die des “Steuermanns” anzumaßen ...