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Samstag, 25. September 2004, 16:12 Uhr

Atempause

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Einmal mehr. Ich bin erstaunt: Ist mein Aufenthalt in Hong Kong wirklich nur eine Woche her?

Wundert es? Ist ja auch eine Menge passiert. Mir fehlt gerade ein griffiges Wort dafür, aber gelegentlich kommt es mir so vor, als machte ich wie ein Elektron Sprünge auf der Atomschale des Planeten ...

Die Bandbreite der Eindrücke ist enorm: Hong Kongs Nachtleben von dem, was man so normalerweise als Westerner erleben kann, über die VIP-Hinterräume der (Möchtegern-)Reichen, bis hin zu totally local. Wohnen wie die Einheimischen in den New Territories nahe der Grenze bis hin zu überbezahlten Expat-Wohnungen. Übernachten in Guest Houses für 200 HK$ die Nacht, die unangenehme Lebloskeit von Serviced Apartments bis hin zu ultrateuren Hotelsuiten mit Hafenblick. Dann Ausflüge zu den typischen Touristenorten, aber auch dahin, wo sich nicht mal Einheimische willentlich hin verirren würden. London ebenso. Der Unterschied zwischen Lufthansa Business Class und Ryan Air - Wahnsinn! In der einen hackt irgendein New Economy Typ seine Memoiren in sein Vaio, in der anderen knallt sich ein Gast vor mir trotz Verwarnung durch die Stewardess Hartalk gegen Flugangst oder Entzugserscheinungen rein.

Überhaupt die Menschen: Alles dabei. Charaktere, die Drehbüchern entsprungen sein könnten. Teilweise so schräg, man würde sie in Filmen als nicht authentisch ablehnen. Arm, reich, glücklich, unglücklich, attraktiv, hässlich, ignorant, aufgeschossen, dumm, intelligent, jung, alt, ... aus jedem möglichen Quadranten Menschen getroffen. Der einzige übrigens, der mir wirklich wirklich unsympathisch war, war dieser Ami auf dem Rückflug von Stansted nach Erfurt neben mir. Einer dieser Sorte, der Einwände gegen Irakkrieg, die Farce mit Yussuf Islam (tafka Cat Stevens) oder Apelle an ein verstehen-wollen europäischer Denkweise mit der Aussage “Wir sind Amerikaner. Wir können machen, was wir wollen.” wegbügelt. Was kann alles gutüberlegte Argumentieren gegen die Macht des Stärkeren ausrichten? Nichts.

Ich für meinen Teil schaffe es nicht, mit dieser Ignoranz durchs Leben gehen. Woher der naive Glaube kommt, dass wir doch alle ganz gut miteinander auskommen könnten, wenn wir uns nur ein wenig Mühe geben würden, weiß ich nicht. Leider belehren mich meine Mitmenschen immer wieder eines besseren.

Ich sollte dankbar sein, die Möglichkeit zu besitzen, mir eine dieser Lebenssphären aussuchen zu können ... aber trotz intensiver Suche - meine habe ich noch nicht gefunden.

Update: Gerade noch einmal durchgelesen das Gesülze hier. Mistbeitrag. Echter Mistbeitrag. Tut mir leid. Aus Dokumentationsgründen lasse ich das jetzt hier stehen, damit es mich mahnen soll, so etwas nicht zu wiederholen.

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