Diese Räucherstäbchen standen neben der Stelle, an der sich der krebskranke Mann gestern zu Tode gestürzt hat.
Nachtrag zum Bild von gestern: Ich will nicht pietätlos sein, genausowenig liegt mir an makabrem Voyeurismus. Es ging mir darum, die Situation darzustellen und ich glaube, dass das Bild Emotionen hervorruft, die einem helfen diese zu verstehen. Ich habe Mitleid mit dem Mann und seiner Familie.
Natürlich hat mich das Ereignis heute noch beschäftigt. Typisch für mich, dass ich erst einmal rational an die Sache herangegangen bin. Einmal kurz googlen brachte einen aktuellen Artikel an den Tag, in dem behauptet wird, dass Hong Kong mittlerweile die höchste Selbstmordrate der Welt hätte. Zumindest vor zwei Jahren war das noch nicht der Fall, wie man beim Hong Kong Jockey Club Centre for Suicide Research and Prevention nachlesen kann, das auch im ersten Artikel erwähnt wird. Bei den Suicide Prevention Services konnte man auch noch Zahlen nachlesen, z.B. das Selbstmord die siebthäufigste Todesursache in Hong Kong ist.
Die Selbstmordrate ist hier besonders unter alten Menschen relativ hoch. Schlimmerweise scheint es mit der chinesischen Kultur zusammenzuhängen - die Älteren beenden lieber ihr Leben, als ihren Familien zur Last zu fallen. Obwohl viele vorher ihren Angehörigen sagen, dass sie lebensmüde sind, nehmen diese das nicht ernst, weil sie es für normal halten, dass man mit dem Alter eine negative Einstellung annimmt. Zum anderen suchen die Familien auch keine Hilfe von Außen, weil sie sich nach chinesischer Tradition gut um ihre älteren Familienmitglieder kümmern sollen, aber fürchten, so erwecke es den Anschein, sie würden das nicht in ausreichend tun.
Ich frage mich, inwieweit die hohe Selbstmordrate hier mit den Lebensverhältnissen zu tun hat: Extreme Bevölkerungsdichte, kaum Grün in der Stadt, viel Lärm und Verkehr, hoher Stresslevel. In Japan herrschen ähnliche Bedingungen und ebenfalls hohe Selbstmordzahlen. Keine Ahnung, ob das zu einfach gedacht ist.
Mir wurde heute erzählt, dass der Mann Patient im nahegelegenen Krankenhaus war und Krebs hatte. Er ist in ein Gebäude gegangen, dessen Tür auch nachts offen steht (relativ unüblich) und vom Dach gesprungen.
Es ist tatsächlich so, dass das die häufigste Art ist, wie sich Menschen hier das Leben nehmen - aus diesem Grund war es mir zum Beispiel in Po Lam nicht möglich Fotos vom Dach unserer Wolkenkratzer zu machen: Da lässt einen keiner rauf.
Der Tag verlief merkwürdig für mich. Es ist ein sonderbares Gefühl zu wissen, dass sich die Welt einfach weiterdreht ohne Notiz zu nehmen. Klar tut sie das. Aber solche Ereignisse machen einem das überdeutlich.
die seite ist scheiße
Super Nina, das nenn ich mal einen konstruktiven Beitrag. Vielleicht erklärst du mir noch, wie scheiße genau, dann kann ich das verbessern ... :)
hm ich finde das dieser artikel sehr zum nachdenken einlädt es ist immer wieder seltsam so nah zu spühren wie kalt unsere welt doch geworden ist.