... wirklich und wahrhaftig. Wer in den letzten Wochen aufmerksam mitlas, hat vielleicht gemerkt, dass da plötzlich Beiträge “verschwunden” waren.
Warum, was war passiert? Zeit für einen Recap. (Man verzeihe mir mein Denglisch.)
Die Greencard saß mir im Nacken, sozusagen. Dazu muss man Folgendes wissen: Eine Greencard ist ein Einwanderungs-Visum; die USA verschenk(t)en dieses an Menschen aus Ländern, die geringe Einwanderungszahlen stellen. Daher der auch der eigentliche Name: “Diversity Visa Program” - talking of ‘Multikulti’.
Das mit der Einwanderung hat aber auch einen Haken. Mein Greencard-Gewinn war Ende 2004 und irgendwann wollen dich die Leute dann auch wirklich dort sehen. Ich bin zwar mehrfach in die Staaten geflogen, aber jedes Mal nur für einen kurzen Aufenthalt. Ab wann genau man nun Stress bekommt, weil man seinen Lebensmittelpunkt noch nicht verlegt hat, ist nicht genau festgelegt und Gegenstand reger Diskussionen unter Greencard-Gewinnern.
Tut auch alles nicht so richtig zur Sache, festzuhalten ist nur, dass es Zeit wurde.
Zeit, Entscheidungen zu treffen. Denn seit über einem Jahr hängt bei mir alles in der Luft. Mein Studium kotzt mich an - nein, vielmehr ich mich selbst, denn eigentlich bin ich nur 2 Hausarbeiten und eine echt lachhafte Bachelor-Thesis davon entfernt, meinen Abschluss zu machen. Aber ich kann mich nicht dazu aufraffen/zwingen/davon überzeugen oder irgendwie dazu bringen, mich in diese Richtung in Bewegung zu setzen. Sehr kritisch, denn der Studiengang wurde mittlerweile sogar eingestampft und mit viel Sympathie kann ich bei meinen Profs wohl auch nicht mehr rechnen. Auf der anderen Seite: Mich damit abzufinden, bereits den zweiten Studiengang nicht zu Ende gebracht zu haben und ein hochschulabschlussfreies Leben zu führen, kann ich irgendwie auch nicht, also zahle ich weiter schön Langzeitstudiengebühren. Für Nichts, so scheint es.
Ende letzten Jahres habe ich mich dann zumindest soweit, eine andere offene Flanke zu schließen. Wenn sich schon nichts in Sachen Studium bewegt, dann wenigstens woanders. Denn auch wenn sich auf der Karrierebahn nichts tat, habe ich zumindest in anderen Bereichen meines Lebens aufgeräumt - das in doppelter Bedeutung, in meinem Kopf und in der gegenständlichen Welt.
Zum letzten Punkt gehörte die Auflösung meiner Wohnung in Jena. Dabei bin ich radikal vorgegangen ... für meine Sachen gab es die die drei Kategorien 1.) Behalten, 2.) Aufheben oder 3.) Loswerden. Behalten wollte ich so wenig wie möglich, damit mein globales Nomadentum nicht behindert werden würde. Dinge, die ich aufheben würde, könnte ich nur bei meinen Eltern parken, aber in dieser Gruppe wollte ich eigentlich gar nichts haben, damit ich daran nicht mehr denken müsste. Also ausmisten und so viel wie möglich loswerden. eBay war eine große Hilfe, Einiges ging an Geschwister und Bekannte. Übrig zum Aufheben blieben vier kleine Umzugskartons mit ein paar Dokumenten, Erinnerungsstücken, Büchern, CDs und Küchenutensilien (darf ich nicht verkaufen, hat meine Mutter verboten). Für den Rest die größte Reisetasche, die ich finden konnte gekauft. (Geiles Teil übrigens: Dakine, 162 Liter Fassungsvermögen, teilbar in zwei Taschen, um Kosten für Übergepäck zu vermeiden.)
Überflüssiges wie deutschen Mobilfunkvertrag, mehrere Konten, Kundenkarten, diverse E-Mail-Accounts und sonstige Verträge gekündigt.
Dann so viel wie möglich virtualisieren bzw. “entmaterialisieren”: Ein paar wichtige Dokumente eingescannt, damit ich sie im Zweifelsfall schnell verfügbar habe. Einige CDs digitalisiert. Bücher als eBooks besorgt. Skype-In-Nummer gekauft.
Gut soweit. Nicht so gut nur, dass ich auch fast all mein Geld losgeworden bin im Verlauf des letzten Jahres. Ich habe zwar sogar einen ganz gut bezahlten “virtuellen” Job, den ich übers Internet machen kann, aber der ist nur projektweise, bringt dementsprechend keine regelmäßigen Einkünfte und sorgt demnach nicht für ausreichend Sicherheiten.
Wird schon schiefgehen. Spontanentscheidung: Ticket nach San Francisco mit Prämienmeilen gebucht. Dort in einem Hostel einquartiert. WG-Zimmer wird sich schon finden lassen. Warum San Francisco? Gefühlssache. In Frage kam nur eine Großstadt und in den USA gehen (für mich) sowieso nur die Küstenstaaten. New York war mir entschieden zu kalt zu dieser Zeit und in SF war ich zumindest schon einmal. Ich nahm also an ich wüsste so ungefähr, worauf ich mich einlasse.
(Teil 2 morgen, muss was essen und heute ist Tiga im Rex)
ja dann schreib mal ich warte…
Zum Glück kotzt dich dein Studium erst kurz vor Schluss an, ist immerhin noch um Längen besser als wenn dies am Anfang der Fall ist :-)
Die Geschichte mit der Greencard ist aber wirklich eine Unendliche. Ich kenne eine Familie die in die USA ausgewandert ist. Was die für Probleme hatten kann man sich nicht vorstellen, da gehen Nerven, Zeit, Geld uvm. drauf.