Unser Zug nach Hangzhou ging um 8:20 Uhr früh los. Argh. Keine Uhrzeit für mich. Anyway, da musste ich durch. Zugfahren war interessant - die Waggons sind doppelstöckig und im Vergleich zu Deutschland riesig groß. Obwohl wir schon "Softseater" gefahren sind, waren die Sitze recht unbequem, aber waren ja nur zwei Stunden zu überstehen.
Kleiner Gegensatz zu Hong Kongs MTR - richtig sauber war der Zug nicht und, Mann, wurde ich angestarrt immer wieder. Die Leute konnten anscheinend nicht glauben, dass sich jemand mit blauen Augen in ihre Eisenbahn verirrt. Clemens, wie ging es im Frühjahr Mark und dir in China? So zwei Blondschöpfe müssen ja richtig Aufsehen erregt haben!
In Hangzhous riesigem Bahnhof angekommen, hieß es, sich einen peinlichen Anhänger ans T-Shirt zu heften und dann einfach nur der roten Fahne (okay, eher ein Fähnchen, der Witz war platt) zu folgen, denn wir hatten noch am Bahnhof in Shanghai Tickets für eine dieser typischen chinesischen Gruppentouren gekauft.
(Hong Kong hat übrigens gerade erst die eigenen Reisebestimmungen dahingehend geändert, dass Festlandchinesen nun auch Individualreisen nach Hong Kong unternehmen dürfen. Vorher durften sie das nur in Gruppenreisen tun. Für Hong Kong hat das den positiven Effekt erbracht, dass die SARS-bedingten fallenden Touristenzahlen durch die steigenden Besucherzahlen aus China abgemildert wurden. Nachteil ist ein erhöhte Anzahl an durch aus Reisenden aus China begangenen Verbrechen - es gibt wohl einige Individuen, die nur aus diesem Grund nach Hong Kong fahren.)
Das Teilnehmen an der Gruppentour hatte den Vorteil, nichts organisieren zu müssen. Mit dem Bus ging es zur ersten Hauptattraktion Hangzhous: Xi Hu oder auch West Lake. Mein Lonely Planet Shanghai sagt mir, dass es 36 "West Lakes" in China gibt. Das hier sei der berühmteste. (Alle anderen sind nämlich Kopien von diesem [^_^].)
Ständige Begleitung von da an war unsere Reiseleiterin, die uns von da an für den gesamten Tag mit ihrem Mini-Megaphon zuquäkte - nicht dass das den Lärmpegel irgendwie noch gesteigert hätte - es war ja Sonntag, das bedeutet mit uns waren ca. noch eine Million anderer Chinesen in Hangzhou unterwegs. Yuan hat mir leider auch nicht viel davon erklären können, was genau sie uns erzählte, sein Mandarin reichte nicht immer aus und zum anderen war es ihm "zu viel Geschichte". Super.
Der Westlake war schön, nur eben extrem überfüllt. Als wäre es durch die Abertausenden von Menschen nicht schon laut genug, mussten auch noch Leute versuchen so kleine dämliche Pfeifchen zu verkaufen - falls ihr Groove is in the Heart von Dee Lite kennt, wisst ihr welche ich meine - die dann von diversen kleinen Kindern virtuos bedient wurden. Man konnte sich vorstellen, wie romantisch die Gegend sein könnte, leider war sie es so nicht.
Weiter ging es zum Mausoleum von General Yue Fei. Etwas ruhiger dort. Draußen sind knieende Statuen des verräterischen Hofangestellten Qin Hui, des Generals Ehefrau und zweier weiterer Personen, die es irgendwie auf dem Gewissen haben, dass der gute Yue Fei exekutiert wurde. Traditionell wurde auf die Statuen gespuckt, aber Spucken ist in China ja offiziell verboten, wie auch ein Schild an der Wand aufklärt. Soo berauschend fand ich es ansonsten nicht.
Die beiden nächsten Punkte im Programm hatten schon fast Kaffeefahrt-Charakter, waren aber lustig: Zuerst ging es in die örtliche Seidenfabrik. Die Fahrt dorthin dauerte ca. 45 Minuten und ging quer durch Baustellen und noch mehr Baustellen - wie auch später in der Stadt. Man könnte meinen, das sei die Hauptattraktion Hangzhous.
In der Fabrik konnte man sich kurz eine Maschine ansehen, die die Seidenraupenkokons wieder entrollt, dann hieß es Mittagessen - regelrecht kommunistisch: Ein Essen, ein Preis, ein unglaublich verdreckter Speisesaal für alle. *g*
Wer wollte konnte sich außerdem eine "Modenschau" ansehen und natürlich kaufen, kaufen, kaufen. Jetzt weiß ich wo diese unsäglichen Seidenhemden herkommen. Der Job der armen Mädels, äh Models, muss ähnlich ätzend sein wie derjenigen, die in den Läden und Restaurants in Shanghai auch nichts besseres tun dürfen, als gut auszusehen und den ganzen Tag an der Tür zu stehen, um diese für Kunden zu öffnen.
Weiter zum Teekombinat. Tee probieren und kaufen. Sehr cool die Aufmachung unserer Verkäuferinnen diesmal: 1A Uniform, man konnte meinen, sie würden das nur im Nebenberuf machen, hauptsächlich seien sie Gefängiswärterinnen. ;-)
Nachdem wir dann auch noch zu einem furchtbaren chinesischen Themenpark Motto "alte chinesische Stadt" kutschiert worden waren, war endlich etwas Richtiges zu sehen. Ich hatte die Hoffnung schon fast aufgegeben.
Die Lingyin Tempelanlage war wirklich beeindruckend. Auf dem Weg dorthin sind zig Buddhafiguren in die Felswände geschlagen. Es war fast nicht möglich, Fotos von den Figuren alleine zu machen, denn ständig posiert irgendeine Person davor, um damit Fotos zu machen. Mitten zwischen hohen Bäumen stehen dann die beeindruckenden riesiggroßen Tempelbauten. Auf dem Vorplatz verbrennen Opfergaben, innen sind nicht minder große buddhistische Statuen. Das hatte sich wirklich gelohnt.
Zurück am Bahnhof mussten wir feststellen, dass der Zug, den wir eigentlich nehmen wollten, voll war. Der nächste ging zwei Stunden später und brauchte vier statt zwei Stunden Fahrtzeit - ächz. Gegen Mitternacht waren wir endlich zu Hause. Geschafft.
Tipp: Nicht am Wochenende fahren, keine Gruppentour buchen. Kissen und Ohrstöpsel einpacken, vermeiden im Bahnhof oder im Zug auf Toilette zu gehen. :-)
Hi! Also erstmal: Wir wurden dauernd angestarrt.
Inklusive heimlich Fotos von uns machen und Dauerpulg im Zug um uns rum.
Haben uns aber irgendwann dran gewöhnt, daß wir fast manchmal
enttäuscht waren, wenn uns keiner fotografiert
hat.(So schnell kommen die Starallüren...)
Wir waren auch an so einem See mit Brücke, sah
aber natürlich viel besser aus, weil noch ein
5000 Meter hoher Berg im Hintergrund war ;-)
Kamst Du mit dem Zug aus Shanghai oder Hongkong?
Ich bin mit dem Zug von Shanghai gekommen, zu dieser Zeit war ich ja dort für drei Wochen zu Besuch.