Ich weiß, wie es mir gefällt, mein Leben zu führen: Gleiche Teile Zeit damit zu verbringen, alte gute Erinnerungen zu wiederholen und auf der anderen Seite neue Erfahrungen zu machen. Wiederholung zur Verfeinerung, Neuerung als Inspiration. Lässt sich an so vielen Beispielen erläutern.
Wiederholungen/Erinnerungen: Restaurants, Orte, Musik ... R&A, Tokyo Joe, Ferry Pier, Hudson Ufer, der Weg zwischen Westbahnhof und Lutherstraße im Winter in Jena ...
Dieses Gefühl, wenn man gute Situationen wiederholt. Wenn die Kleinigkeiten, die beim ersten Mal vielleicht nur unterbewusst da waren, aber ihren Effekt gehabt haben, plötzlich deutlich werden. Wenn da subtile Änderungen sind, die einem Gemeinsamkeiten und Unterschiede zeigen (wie auch wenn ein Essen immer ein wenig anders schmeckt oder Tee oder Wein immer etwas unterschiedlich gerät). Wenn man diese Empfindungen teilen kann. Wenn man sich auf dieser Erinnerungskarte blind auskennt und anderen Menschen, die noch nie “da” waren, diese “Gegend” zeigen kann.
Sorry. Vielleicht sind das alles Platitüden, was ich hier gerade von mir gebe.
Wie komm ich drauf? Das Zimmer hier erinnert mich unheimlich an Shanghai 2003. Derselbe etwas muffige - aber komischerweise nicht unbedingt schlechte - Geruch der Klimaanlage, der Fliesenfußboden und ganz merkwürdig diese Möbel, die mich wiederum an DDR-Besuche oder noch früher Badesee-Besuche in den 70ern in Hannover erinnern. Vergangenheit ...
Ich bin ziemlich erschöpft.
Kein Wunder, nach den emotionalen Verausgabungen der letzten Wochen. War etwas viel. Auch die Luft und das Klima in Hongkong haben mir diesmal zugesetzt. Zu stickig. Zu lange. Zum Abschied heute dafür dann tatsächlich schöner Himmel während der Fahrt zum Flughafen. Trotzdem freue ich mich auf San Francisco - ich will wieder Platz haben und klare Luft. Mein Motorrad und meine Ruhe für ein paar Wochen. Nichtstun. Ein wenig arbeiten. Nachdenken, wie das alles weitergehen soll. Nachdenken, ob ich etwas gelernt habe. Nachdenken, was ich behalten möche und was ich ändern will.
Die Überpräsenz des Geldes hat mich in Hongkong gestört diesmal. Scheiss-Geld. Immer und überall darüber nachdenken zu müssen. Vorgeführt zu bekommen, wie sehr es die Welt bestimmt. Selber nicht genug zu haben, um wirklich etwas zu ändern, aber direkt mitansehen zu müssen, wieviel davon nicht gerade wenigen Hirnlosen zur Verfügung steht.
Noch ein paar Tage hier. Ich bin sehr sehr froh über die Freiheit, die ich habe. Sehr dankbar dafür, was ich sehen und erleben kann und konnte. Trotzdem. Alleine sein im Kopf ist nicht gut.
... Die Müdigkeit kommt. Endlich ...
hey… das ist ein sehr ehrlicher blog… wie alt bist du? bin auf ganz verquerem wege hier gelandet, nach san francisco-bildern gegoogelt. bist du jetzt dort? oder in hongkong? viele grüße.
violice