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Montag, 1. Dezember 2003, 17:20 Uhr

Nationalstolz

Eigentlich wollte ich mich hier nicht politisch äußern, aber einige merkwürdige Meinungen meiner Kommilitonen bringen mich dazu, das hier doch zu tun. Hier kommt jetzt ein sehr sehr langer Aufsatz, tut mir leid, aber ich muss das loswerden.

In Deutschland war der Debatte um die Rede von Martin Hohmann ja leider nicht aus dem Weg zu gehen. Leider haben wenige Menschen die Rede gelesen, geschweige denn die Gefahr darin gesehen.

Wenn man den Anfang der Rede liest, könnte man zustimmen wollen. Das der Staat von einzelnen ausgenutzt wird, ist sicher nicht schön. Aber schon nach ein paar Zeilen mehr wird es erst nationalistisch und schließlich abstrus.

Ich will hier jetzt nicht die ganze Rede wiedergeben, die solle man selber lesen, aber wichtig dabei zu bemerken ist: Nur weil ein paar richtige Aussagen gemacht werden, sind die anderen noch nicht korrekt! Wenn ich in einem Satz sage “1 + 1 = 2” und im nächsten “die Erde ist eine Scheibe”, dann hat das miteinander nichts zu tun. Die eine Aussage ist richtig, die andere ist falsch.

Wer behauptet, dass Deutschland sich nicht für seine Staatsbürger einsetzt, der lügt schlichtweg. Man denke zum Beispiel an den Freikauf der Saharageiseln. Warum das nicht mit Pauken und Trompeten geschieht (oder mit militärischen Einsatzkommandos, wie es vielleicht die Amerikaner machen würden) liegt ja wohl auf der Hand. Man denke an kostenlose Straßen und Autobahnen, man denke an Rente, Krankenversicherung und Sozialhilfe, man denke an Gesetze zum Schutz der Bürger und was weiß ich alles.

Wenn andere Länder ihre Vergangenheit nicht richtig aufarbeiten, ist das noch lange kein Grund, dies selber nicht zu tun.

Solange Opfer und Täter des Nationalsozialismus noch leben, sind Entschädigungszahlungen ja wohl okay. Tut mir leid, aber Geld kann zerstörte Leben nie wieder gut machen, hier geht es um eine symbolische Anerkennung einer Schuld. Und dass sich die Mehrheit der Deutschen mit dem Nationalsozialismus damals aktiv oder passiv arrangiert hat, ist unbestreitbar. Dass zur Durchsetzung dieser Forderungen ein Interessenverband gebildet wird, ist nur legitim.

Es ist nicht neurotisch, die Geschichte nicht zu vergessen, es sollte für immer Mahnung sein, so etwas niemals zu wiederholen.

Kein Mensch behauptet, dass die nach dem 3. Reich geborenen Menschen schuld an der Judenverfolgung seien.

Krank ist es hingegen , Thesen über eine “jüdische Weltverschwörung” aufzustellen - genau solche irren Behauptungen könnte man über die Gruppe der Katholiken, Muslime oder Buddhisten aufstellen (und das wird ja auch leider gemacht, wenn Muslime pauschal als Terroristen verdächtig gemacht werden).

Zurück zum Thema Nationalstolz - und was das ganze überhaupt hier zu suchen hat. Die Aussage “Ich bin stolz ein Deutscher zu sein”, kann für mich überhaupt nicht zutreffen, denn stolz kann ich nur auf etwas sein, das ich mir selbst erarbeitet habe. Die deutsche Staatsbürgerschaft ist mir aber geradezu geschenkt worden, deshalb kann ich mich “als Deutscher” auch nicht beleidigt fühlen und ich habe auch kein “neurotisches Verhältnis” zur deutschen Geschichte, weil ich nichts dafür kann Deutscher zu sein.

Im Gegenteil: Ich bin dankbar Deutscher zu sein!

Und nicht aus Nationalstolz heraus, sondern weil ich dankbar dafür bin, werde ich daran arbeiten (oder Steuern zahlen dafür), dass die Dinge weiter bestehen, die mir dieser Staat schenkt und garantiert, nämlich eine Demokratie mit freien Wahlen, ein funktionierendes und gerechtes Rechtssystem, freie Meinungsäußerung, dass ich frei reisen kann, sicheres und luxuriöses Leben und eine endlose Dinge von Annehmlichkeiten. Für alle, die das nicht glauben - fahrt in andere Länder und rafft endlich, dass das nicht selbstverständlich ist!

Im übrigen bin ich jedesmal, wenn ich andere Länder besuche, froh darüber, Deutscher zu sein und mich nicht wie ein Amerikaner oder Engländer auf einer “Abschussliste” zu befinden.

Trotzdem würde ich nie sagen, dass “wir Deutschen”, irgendetwas geschafft hätten - was haben wir gemeinsam, außer dass unser Reisepass die gleiche Farbe hat? Wenn die deutsche Fußballmannschaft gewinnt, dann diese - Respekt - aber nicht ich! Wenn deutsche Autos einen guten Ruf haben, was hat das mit mir zu tun?

Ich wüsste nicht, wann Nationalstolz jemals etwas Gutes zustande gebracht hätte!

Nicht dass wir uns mißverstehen: Ich lasse mich gerne motivieren, für eine Gruppe etwas zu tun. Ich trage aus Dankbarkeit und weil ich will, dass Verhältnisse so bleiben oder besser werden, gerne dazu bei, mich für die Bundesrepublik Deutschland zu engagieren.

Aber: Nationalstolz führt dazu, dass man andere Menschen ausgrenzt, dass man intolerant für Minderheiten wird, dass man blind wird für die Interessen anderer und dass man sich auf Kosten anderer aufspielt.

Ja, und hier kriege ich jetzt auch die Kurve zu China. Manche Äußerungen einiger Festlandchinesen haben mich irritiert oder bedenklich gestimmt. “Irgendwann werden wir so groß und stark sein wie Deutschland” und ähnliches und die Politik der (Han-)Chinesen gegenüber Minderheiten; die Themen Taiwan, Menschenrechte, Tibet, Atomwaffen und vieles mehr ist mir deshalb so unangenehm aufgefallen, weil hier aus Nationalstolz heraus eine Menge unnötiges Unrecht und Leid geschaffen worden ist, wird und werden wird.

Und nicht weil ich ein überheblicher Westeuropäer bin, der alles besser weiß, sondern weil ich gelernt habe, was Nationalstolz Schlimmes anrichten kann, erkenne ich das!

Ich bin froh, dass die Menschen in Deutschland nicht auf die Idee kommen, auf jedem Dach eine Deutschlandfahne zu hissen und jedesmal wenn irgendein Deutscher irgendetwas gemacht hat, zu behaupten: “Wir sind so toll!”

So long.

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Kommentare:

Hi Christian,

danke für diesen Aufsatz. Der spricht mir zu 100% aus der Seele. Nicht nur was die Hohmann Rede betrifft, sondern in erster Linie Deine Definition des Wortes Stolz. Die deckt sich nämlcih absolut mit der meinen. Es ist Wohl die Ironie des Schicksals, dass ich vor wenigen Tagen eine Diskussion mit einem guten Freund genau zu diesem Thema hatte. Dort habe ich auch versucht ihm mit genau Deinen Argumenten meinen Standpunkt näher zu bringen!
Ich denke der berühmte Blick über den Tellerrand hinaus, sprich auch andere Länder, Kulturen und Staatsformen kennen zu lernen würde auch vielen Deutschen nicht schaden und würde vielleicht ein wenig dazu beitragen, dass diese Engstirnigkeit bei manchen Mitbürgern mal aufhört und dadurch sich wieder auf die wesentlichen Dinge konzentriert wird.

Mit freundlichem Grusse aus Köln
Riebi

riebi am 06.12.03 um 04:55 Uhr

Eigentlich wollte ich mich hier nicht politisch äußern, aber einige merkwürdige Meinungen meiner Kommilitonen bringen mich dazu, das hier doch zu tun. Hier kommt jetzt ein sehr sehr langer Aufsatz, tut mir leid, aber ich muss das loswerden.

In Deutschland war der Debatte um die Rede von Martin Hohmann ja leider nicht aus dem Weg zu gehen. Leider haben wenige Menschen die Rede gelesen, geschweige denn die Gefahr darin gesehen.

Wenn man den Anfang der Rede liest, könnte man zustimmen wollen. Das der Staat von einzelnen ausgenutzt wird, ist sicher nicht schön. Aber schon nach ein paar Zeilen mehr wird es erst nationalistisch und schließlich abstrus.

Ich will hier jetzt nicht die ganze Rede wiedergeben, die solle man selber lesen, aber wichtig dabei zu bemerken ist: Nur weil ein paar richtige Aussagen gemacht werden, sind die anderen noch nicht korrekt! Wenn ich in einem Satz sage “1 + 1 = 2” und im nächsten “die Erde ist eine Scheibe”, dann hat das miteinander nichts zu tun. Die eine Aussage ist richtig, die andere ist falsch.

Wer behauptet, dass Deutschland sich nicht für seine Staatsbürger einsetzt, der lügt schlichtweg. Man denke zum Beispiel an den Freikauf der Saharageiseln. Warum das nicht mit Pauken und Trompeten geschieht (oder mit militärischen Einsatzkommandos, wie es vielleicht die Amerikaner machen würden) liegt ja wohl auf der Hand.

NEIN (?)

Man denke an kostenlose Straßen und Autobahnen, man denke an Rente, Krankenversicherung und Sozialhilfe, man denke an Gesetze zum Schutz der Bürger und was weiß ich alles.

STRASSEN UND AUTOBAHNEN SOZIALHILFE SIND NICHT KOSTENLOS; SONDERN WERDEN MIT STEUERGELDERN FINANZIERT
RENTE DURCH RENTENBEITRÄGE; EBENFALLS KRANKENVERSICHERUNG (liegt im übrigen in DL doppelt so hoch wie zb österreich)

Wenn andere Länder ihre Vergangenheit nicht richtig aufarbeiten, ist das noch lange kein Grund, dies selber nicht zu tun.

Solange Opfer und Täter des Nationalsozialismus noch leben, sind Entschädigungszahlungen ja wohl okay. Tut mir leid, aber Geld kann zerstörte Leben nie wieder gut machen, hier geht es um eine symbolische Anerkennung einer Schuld.

MILLIARDENZAHLUNGEN, GERECHTFERTIGT ODER NICHT, KÖNNEN NICHT ALS SYMBOLISCHE ANERKENNUNG BEZEICHNET WERDEN

Und dass sich die Mehrheit der Deutschen mit dem Nationalsozialismus damals aktiv oder passiv arrangiert hat, ist unbestreitbar. Dass zur Durchsetzung dieser Forderungen ein Interessenverband gebildet wird, ist nur legitim.

Es ist nicht neurotisch, die Geschichte nicht zu vergessen, es sollte für immer Mahnung sein, so etwas niemals zu wiederholen.

WIR LERNEN IMMER WIEDER AUS DER GESCHICHTE DASS WIR NICHTS LERNEN

Kein Mensch behauptet, dass die nach dem 3. Reich geborenen Menschen schuld an der Judenverfolgung seien.

DOCH; Das Wort “Tätervolk” oder “Volk der Täter” (so Paul Spiegel, in: “Was ist koscher?” S. 301) legt in der Tat einen auf alle Mitglieder des jeweiligen Volkes ausgreifenden Schuldvorwurf nahe.

Krank ist es hingegen , Thesen über eine “jüdische Weltverschwörung” aufzustellen - genau solche irren Behauptungen könnte man über die Gruppe der Katholiken, Muslime oder Buddhisten aufstellen (und das wird ja auch leider gemacht, wenn Muslime pauschal als Terroristen verdächtig gemacht werden).

HOHMAN HAT SICH IN SEINER REDE AUF DAS BUCH ZWEIHUNDERT JAHRE GEMEINSAM 1775 BIS 1995 DES RUSSISCHEN NOBELPREISTRÄGER ALEXANDER SOLSCHENIZYN BERUFEN UND DARAUS ZITIERT

Zurück zum Thema Nationalstolz - und was das ganze überhaupt hier zu suchen hat. Die Aussage “Ich bin stolz ein Deutscher zu sein”, kann für mich überhaupt nicht zutreffen, denn stolz kann ich nur auf etwas sein, das ich mir selbst erarbeitet habe. Die deutsche Staatsbürgerschaft ist mir aber geradezu geschenkt worden, deshalb kann ich mich “als Deutscher” auch nicht beleidigt fühlen und ich habe auch kein “neurotisches Verhältnis” zur deutschen Geschichte, weil ich nichts dafür kann Deutscher zu sein.


Im Gegenteil: Ich bin dankbar Deutscher zu sein!

Und nicht aus Nationalstolz heraus, sondern weil ich dankbar dafür bin, werde ich daran arbeiten (oder Steuern zahlen dafür), dass die Dinge weiter bestehen, die mir dieser Staat schenkt und garantiert, nämlich eine Demokratie mit freien Wahlen, ein funktionierendes und gerechtes Rechtssystem, freie Meinungsäußerung, dass ich frei reisen kann, sicheres und luxuriöses Leben und eine endlose Dinge von Annehmlichkeiten. Für alle, die das nicht glauben - fahrt in andere Länder und rafft endlich, dass das nicht selbstverständlich ist!

IN EINER DEMOKRATIE GEHT ALLE MACHT VOM VOLKE AUS

Im übrigen bin ich jedesmal, wenn ich andere Länder besuche, froh darüber, Deutscher zu sein und mich nicht wie ein Amerikaner oder Engländer auf einer “Abschussliste” zu befinden.

Trotzdem würde ich nie sagen, dass “wir Deutschen”, irgendetwas geschafft hätten - was haben wir gemeinsam, außer dass unser Reisepass die gleiche Farbe hat? Wenn die deutsche Fußballmannschaft gewinnt, dann diese - Respekt - aber nicht ich! Wenn deutsche Autos einen guten Ruf haben, was hat das mit mir zu tun?

WIDERSPRUCH ZUR OBEN GEMACHTEN AUSSAGE:
...die mir dieser Staat schenkt und garantiert, nämlich eine Demokratie mit freien Wahlen, ein funktionierendes und gerechtes Rechtssystem, freie Meinungsäußerung, dass ich frei reisen kann, sicheres und luxuriöses Leben und eine endlose Dinge von Annehmlichkeiten....


Ich wüsste nicht, wann Nationalstolz jemals etwas Gutes zustande gebracht hätte!

DAS GLEICHE GILT FÜR DANKBARKEIT

Nicht dass wir uns mißverstehen: Ich lasse mich gerne motivieren, für eine Gruppe etwas zu tun. Ich trage aus Dankbarkeit und weil ich will, dass Verhältnisse so bleiben oder besser werden, gerne dazu bei, mich für die Bundesrepublik Deutschland zu engagieren.

Aber: Nationalstolz führt dazu, dass man andere Menschen ausgrenzt, dass man intolerant für Minderheiten wird, dass man blind wird für die Interessen anderer und dass man sich auf Kosten anderer aufspielt.

Ja, und hier kriege ich jetzt auch die Kurve zu China. Manche Äußerungen einiger Festlandchinesen haben mich irritiert oder bedenklich gestimmt. “Irgendwann werden wir so groß und stark sein wie Deutschland” und ähnliches und die Politik der (Han-)Chinesen gegenüber Minderheiten; die Themen Taiwan, Menschenrechte, Tibet, Atomwaffen und vieles mehr ist mir deshalb so unangenehm aufgefallen, weil hier aus Nationalstolz heraus eine Menge unnötiges Unrecht und Leid geschaffen worden ist, wird und werden wird.

Und nicht weil ich ein überheblicher Westeuropäer bin, der alles besser weiß, sondern weil ich gelernt habe, was Nationalstolz Schlimmes anrichten kann, erkenne ich das!

ICH ERKENNE HIER NUR SINNLOSE POLEMIK VON DIR

Ich bin froh, dass die Menschen in Deutschland nicht auf die Idee kommen, auf jedem Dach eine Deutschlandfahne zu hissen und jedesmal wenn irgendein Deutscher irgendetwas gemacht hat, zu behaupten: “Wir sind so toll!”

So long.

ALLES IN ALLEM FÜR JEMANDEN DEM EIN AUSLANDSPRAKTIKUM IN HONGKONG FINANZIERT WIRD SEHR SCHWACH
WÜRDEST VON MIT GEFEUERT WERDEN WEGEN DENKFAUELHEIT UND MANGELNDER RECHERCHE:

ricky am 17.02.04 um 19:32 Uhr

Lieber Ricky,

1. Kleiner Tipp für richtiges Zitieren: http://learn.to/quote
2. Deine Feststelltaste klemmt.
3. Überleg dir noch einmal, was du eigentlich sagen wolltest. Wer wirft hier wem sinnlose Polemik vor? Ein paar Begründungen wären hilfreich.
4. Korrigier die Fehler in deinem letzten Satz, dann nehme ich mich auch dieser Aussage gerne an.

Andernfalls werde ich deinen Diskussionsbeitrag möglicherweise löschen, weil meine persönliche “Denkfauelheit” es mit sich bringt, dass ich mich damit nicht auseinandersetzen will.

Christian am 17.02.04 um 20:00 Uhr
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