Hongkong - Hong Kong Tipps Studium Praktikum Reise Auslandssemester Fotos Bilder Geschichten Erlebnisse Leben Blog

Hong Kong - Hongkong
Navigation:

Weblog:
Freitag, 28. November 2003, 20:05 Uhr

Propaganda Poster Art

(c) 2003 - hongkong.neuerordner.de

Ist mir wieder eingefallen, als ich den Link zu Mao Tse Tung (bzw. Mao Ze Dong) gepostet habe ... in Shanghai lohnt sich ein Besuch des Propaganda Poster Art Center.

Der oder die Betreiber des Poster Art Centers haben tausende von Original-Propagandapostern aus der Zeit von 1949 bis 1979 zusammengetragen, von denen man sich einige hundert in drei kleinen Räumen ansehen kann. Unter allen Postern steht die englische Übersetzung.

Es ist spannend zu sehen, wie sich die Poster über die Zeit entwickelt haben. In einem englischsprachigen Katalog, der für eine Ausstellung in den USA gedruckt worden ist, kann man darüber nachlesen - so zum Beispiel über die Motive und ihre Bedeutung; wie dann mit der Zeit der Personenkult um Mao (und das Kleine Rote Buch) gefördert wurde (der übrigens nur in Rottönen gemalt werden durfte, Grün war nicht erlaubt), über die schlimme Zeit der Kulturrevolution und der roten Garden (eigentlich unglaublich, dass Mao überhaupt noch auf den chinesischen Geldscheinen ist - leider muss man sagen, dass er ziemliche Verbrechen am eigenen Volk begangen hat).

Kleine Anekdote: Mao propagierte die Anwendung von Naturheilverfahren, also “chinesischer Medizin” durch eher schlecht ausgebildete Personen für die Bevölkerung. Sein Leibarzt hingegen war natürlich ein in den USA studierter Mediziner - soviel zur Liebe zum eigenen Volk ...

Mein Bruder, der im Februar für drei Wochen in China unterwegs war erzählte mir, dass in Maos Wohnhaus ein großer Grundig-Fernseher stand. Der Museumsführer fand nichts dabei, dass der “große Führer und Denker” keinen Apparat aus staatseigener Produktion verwenden wollte. Ironie geht vielen Festland-Chinesen sowieso ab ... wie übrigens vielen ehemaligen DDR-Bürgern, sorry, ist tatsächlich so :-)

Die Poster sind wirklich eindrucksvoll. Obwohl die Gesichtsausdrücke der gemalten Menschen nur entweder Entschlossenheit oder Freude zeigt und alles natürlich idealisiert dargestellt wird (klar, Propaganda halt), zeigen sie Wirkung - nach dem Durchsehen von ca. 50 Postern hatten mich die Bilder in ihren Bann gezogen: Ich fragte mich selbst, warum heutzutage das Proletariat ("die Landbevölkerung”, “der Arbeiter” oder “der Soldat") nicht mehr gewürdigt werden. Man sieht: Funktioniert.

Besonders interessant sind auch einige Fotos aus der Zeit, so etwas ist sehr selten.

Der Eintritt ist mit 20 Yuan recht heftig, fotografieren lassen wollte mich der Typ dort, der null Englisch sprach, auch nicht - nur dieses mehr dämliche Bild von mir hat er machen wollen (man beachte mein politisch korrektes T-Shirt, das ich in Hong Kong gekauft habe). Center ist reiner Euphemismus, es befindet sich in den Kellerräumen eines großen Wohnhauses in French Concession, ich bin dreimal dran vorbeigelaufen, bis ich mal einen Wachmann gefragt habe, wo es ist.

Propaganda Poster Art Center
Rm. BOC No. 868 Hua Shan Road
Shanghai
Tel.: 62111845

E-Mail-Adresse schicke ich per Anfrage gerne zu

Wer sich für so etwas interessiert , sehe sich auch online die Sammlung von Stefan Landsberger oder diese Ausstellung der Indiana University an, wo auch die ganzen Sprüche zu lesen sind - “in echt” ist das natürlich schöner. ;-)

Update: Man beachte auch die Poster mit dem Thema Rückgabe Hong Kongs bei The Chairman Smiles.

Update 2: Bekommt man jetzt auch als Buch.

Kultur | Link mich!
Kommentare:
Kommentare liegen im Verantwortungsbereich des jeweiligen Autors und geben nicht die Meinung des Websitebetreibers wieder.

Kommentarformular:

Tags:






Diese Website:

Über dieses Weblog ...


Schreib mir was:  Kontakt


Archiv:

© 2008 hongkong.neuerordner.de | Alle Rechte vorbehalten | RSS 1.0 | RSS 2.0 | Atom