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Dienstag, 13. Mai 2003, 10:21 Uhr

Sarsien (TM)

(Sarsien is a registered trademark of Dini Enterprises, Inc.)

Mal was zur Klärung der SARS-Situation in Hong Kong hier. (Das gilt ganz besonders für Kommentare wie diese hier.) Ich denke, dass ich die Situation hier in Hong Kong ziemlich gut einschätzen kann - jedenfalls besser als jemand in Deutschland!

Hier in Hong Kong herrscht weder die Zustände, die einem die Medien in Deutschland vermitteln möchten, noch solche, die annähernd vergleichbar mit denen in China wären!

Vorneweg: Jede(r) muss für sich selbst entscheiden, wie er oder sie sich verhalten möchte - schreib mir nur nicht vor, wie ich mein Leben führen soll. Ich entscheide für mich selbst. Doch dazu später - erstmal zu den Fakten (ja, Philipp: Fakten, tatsächlich):

Zahlen

In Meldungen vom 6. und 12. Mai der WHO wird darauf hingewiesen, dass die Neuansteckungen in Hong Kong beständig zurückgehen. Die Zahlen sind seit über einer Woche "nur noch" einstellig. (Klar wären keine Neuansteckungen besser - aber es sind auch nicht Hunderte.)

Am heutigen Tag sind hier in Hong Kong 1689 Menschen mit SARS infiziert und bis heute sind daran 225 Menschen gestorben [Quelle: Department of Health]. Schrecklich für die Betroffenen, keine Frage.

Die weitaus meisten Neuansteckungen traten bei Klinikpersonal und bei Personen auf, die ihre bereits infizierten Angehörigen gepflegt haben.

Eine Ausnahme bildet die Aktion in dem Wohnblock "Amoy Gardens": Hier hat die Hong Konger Regierung zum ersten Mal Quarantäne-Maßnahmen durchgeführt - mit ziemlich schlimmen Folgen für die Bewohner. Die Zahl der Infizierten schnellte in die Höhe, denn wie sich später rausstellte, hat sich das Virus wohl über unglücklich konstruierte Sanitärinstallation und/oder Ventilation verbreitet. [Quelle: Department of Health]

Das hatte zur Folge, dass genau das Gegenteil zum gewünschten Effekt auftrat - in Amoy Gardens haben sich nach und nach fast alle angesteckt (mehr als 320 Fälle nur dort).

Trotzdem werden die Quarantäne-Maßnahmen weiter durchgeführt (und sind wohl auch richtig so; die WHO findet das jedenfalls so). Wenn hier ein Fall auftritt, wird verfügt, dass die entsprechende Person und Mitbewohner für zehn Tage ihre Wohnung nicht verlassen dürfen.

Was wird hier noch gemacht? In allen Gebäuden, in denen ich in letzter Zeit war, sind die Aufzugknöpfe mit Plastikfolie überklebt, die alle 30 Minuten mit Desinfektionsmittel abgewischt wird. Genauso wie die Geländer bei Treppen und Rolltreppen in Häusern und in der U-Bahn. Zusätzlich dazu liegen vor vielen Hauseingängen desinfizierende Teppiche (so wie man das von OPs kennt).

Warum das?

Nun, nach bisherigen Untersuchungen kann das Virus auf Plastikflächen bis zu 48 Stunden überleben, in Urin mindestens 24 Stunden, in Kot mindestens 2 bis zu möglicherweise 4 Tagen. [Quelle: WHO]

Das führt uns zum Infektionsweg: Allem Anschein nach kommt eine Tröpfcheninfekion in Frage. Schmierinfektion zumindest in Amoy Gardens. Entgegen erster Vermutungen wird eine Übertragung durch Insekten nicht vermutet. [Quelle: WHO, Robert Koch Institut]

Was heißt das konkret?

Alle mir bekannten (und seriösen) Quellen weisen darauf hin, dass eine Tröpfcheninfektion der wahrscheinlichste Fall ist - Amoy Gardens war wohl eine Ausnahme, hier litten 66% aller Patienten an Durchfall, im Gegensatz zu 2% - 7% der anderen SARS-Infizierten.

Die Gefahr einer Tröpfcheninfektion lässt sich mit einfachen Mitteln und Disziplin recht stark verringern, da sich das Virus - obwohl es widerstandsfähiger als ein Grippevirus ist - mit herkömmlichen Methoden bekämpfen lässt.

Ein einfacher Mundschutz verhindert, dass Tröpfchen eingeatmet werden, sollte man angehustet werden. Regelmäßiges Händewaschen (besonders nachdem man "draußen" war) und allgemein gute Hygiene verhindern die mögliche Ausbreitung. Generell sollte man sich angewöhnen nicht mit den Händen ins Gesicht zu langen.

Wie hoch ist die Letatlität (also die Wahrscheinlickeit an SARS zu sterben)?

Durschnittlich 14% - 15%. Das ist höher als man zuerst angenommen hat - und ich korrigiere damit auch die Zahlen aus meinen alten Eintrag vom 04. April. Trotzdem stimmt weiterhin, was dort sonst steht - es sterben weitaus mehr Menschen an der Grippe in Deutschland - warum kümmert ihr euch nicht darum? Immerhin existiert gegen die Grippe ein Gegenmittel!

Nach Altersgruppen sieht es wie folgt aus:


Altersgruppe Letalität
<= 24 Jahre ... unter 1%
25 44 Jahre ........  6%
45 ֖ 64 Jahre ........ 15%
>= 65 Jahre ........ 50%

[Quelle: Robert Koch Institut bzw. WHO]

Die WHO sagt übrigens auf der eigenen Website, dass die Informationen, die von Hong Kongs Offiziellen veröffentlich werden vorbildlich sind und es wünschenswert wäre, wenn das in allen Ländern so sei. (Wen die bloß meinen? ;-)

Unter anderem kann man sich auf den Seiten des Department of Health über die neuesten Fallzahlen und in welchen Gebäden Infektionen aufgetreten sind informieren.

Ich persönlich ziehe aus all diesen Zahlen (auch wenn sie vielleicht noch mal korrigiert werden sollten), folgende Schlußfolgerung (und ich rate jedem für sich selbst zu entscheiden):

Die Gefahr, sich hier in Hong Kong mit SARS anzustecken ist extrem gering. Bei einer Einwohnerzahl von fast sieben Millionen ist nicht einmal jede 4000. Person infiziert (diese dürften sich zum Großteil bereits in Krankenhäsern aufhalten). Ich wasche oder desinfiziere mir regelmäßig die Hände, achte (wie vorher übrigens auch schon!) auf Hygiene und vermeide, die SARS-Station des örtlichen Krankenhauses zu besuchen. Ich denke, ich kann mir recht sicher (wenn auch nicht zu 100%) sein, dass mir nichts passiert. Und ja, ich trage keinen Mundschutz aus diesen Überlegungen heraus, aber das ist meine Entscheidung und für dich nicht bindend.

Ach ja, ob ich Experte bin? Nö, aber meine Schwester, mein Bruder, mein Vater und meine Mutter sind Mediziner, reicht das? :-)

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