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Donnerstag, 6. April 2006, 13:21 Uhr

The True American Way of Life

Crackpfeife

Was die letzten Tage so los war: Ich hatte mich im Flieger von Philadelphia nach San Francisco mit meiner Sitznachbarin unterhalten, die am Flughafen von ihrer Freundin abgeholt wurde und mir anbot, mich in die Stadt mitzunehmen. Ihre Freundin hat ein Leichentransportunternehmen und holte uns tatsächlich mit dem Leichenwagen ab (eigentlich nur ein großer Familien-Van mit Ladefläche für die Bahre).

Wie sich darüberhinaus herausstellte, wollte eben jene Freundin auch gerade in eine neue Bleibe ziehen und suchte noch einen Mitbewohner. Tja, “Glück muss man haben”, dachte ich mir.

Allerdings war es noch nicht ganz soweit, sie würde erst ein bis zwei Tage später umziehen. Aber sie bot mir an, bei ihr zu übernachten, falls ich nicht in das Hostel wollte - das nahm ich dankend an, denn ich bin ja immer ein wenig neugierig darauf, wie Leute so wohnen.

Was mich da allerdings erwartete, war unglaublich. Die Gegend ist eine der miesesten San Franciscos - schon bei der Hinfahrt meinte sie zu mir, dass ich mich ducken sollte, falls ich nachts Schüsse hören würde. Ich fands nur lustig (vielleicht sollte ich nicht, aber ich konnte nicht anders). Jedenfalls wohnte sie zusammen in einem Haus mit einem Pärchen, das aus einem Ex-Drogendealer und einer Prostituierten bestand, sie hatte ein Zimmer, in dem unter anderem ein großer Käfig mit zwei Papageien stand. Diese ließ sie aber auch gerne mal draußen, so dass diese Viecher überall ihre Federn und leckere Kothäufchen hinterließen. Auch der Rest des Hauses starrte vor Dreck, in der Küche wollte ich lieber nichts anfassen, aus dem Wasserhahn dort kam kein klares Wasser, im Badezimmer ging weder der Hahn beim Becken oder in der Wanne, sondern nur die Dusche, das Wasser lief nicht ab, keiner bediente je die Spülung der Toilette und ich stand dort grundsätzlich nur in Straßenschuhen.

Sie riet mir, die Zimmertür immer abzuschließen und darauf zu achten, dass niemand Fremdes ins Haus käme - immer zuzusperren und auch nachts nicht am beleuchteten Fenster zu stehen.

Witzigerweise störte mich das alles recht wenig, obwohl sie ziemlich durchgeknallt war und der Mitbewohner-Typ auch nicht gerade angenehm zu sein schien, hatte ich irgendwie kein schlechtes Gefühl. Ein wenig später stellte sich dann auch heraus, warum ihre Aufmerksamkeitsspanne bei ca. 90 Sekunden liegt - sie kifft, nimmt gelegentlich irgendwelche Pillen und raucht wohl auch Crack (oder isses Crystal Meth? Ich bin da nicht so bewandert.). Nun ja. :)

Zwei Tage später hatte sie dann das Kunststück vollbracht, am Steuer ihres Leichenwagens einzuschlafen und einen Unfall zu bauen. Wir holten am nächsten Tag dann einen anderen ab.

Ach ja, vorgestern war die Polizei da, weil plötzlich irgendeine Tussi im Haus war, um ihre Sachen abzuholen, dabei aber gleich nochmal ein paar andere Dinge mitgehen lassen wollte. Die wanderte dann gleich ins Gefängnis.

Wie gesagt, das alles hat mich irgendwie nicht besonders gestört, irgendwie habe ich momentan die Ruhe weg und muss die ganze Zeit grinsen. Das war alles ganz großes Kino und witzigerweise hatte ich sogar Vertrauen zu allen. Vielleicht liegts an meiner guten Laune - diese Typen anscheinend auch zu mir. (Zimmertür hab ich trotzdem abgeschlossen). Ich schlafe die Nächte durch wie schon seit Monaten nicht mehr und habe ständig gute Laune - trotz miesen Regenwetters.

Soweit so gut, gestern bin ich erstmal umgezogen, denn die Mitbewohnerin durfte - soweit ich das mitbekommen habe - weil sie mehrere Monate drogenfrei war, ihre Kinder, die sie mit einem 50-jährigen Schwarzen hat, wiederhaben. (Toller Satz, was?)

Jetzt wohne ich in einem Hostel in Fort Mason - einer ehemaligen Militärbasis und jetziges Naturschutzgebiet mit Blick auf die Golden Gate Bridge und auf die Stadt. Alles ist sauber und aufgeräumt und in meinem 12-Bett Zimmer habe ich zurzeit nur einen weiteren Mitschläfer. Morgen treffe ich mich mit möglichen Mitbewohnern, die Wohnungssuche hier in San Francisco ist eine Katastrophe. Mit 650-700 Dollar muss man mindestens rechnen, aber das sollte durch meinen Google-Job erst einmal gedeckt sein ... ich hoffe nur, dass der noch ein wenig länger vorhält. Ich bin mir da nicht so sicher.

Wahrscheinlich fange ich nebenbei noch als Hilfsleichentransporteur an, jedenfalls wurde mir dieser Job schon angeboten und ich hätte Lust dazu. Ich bräuchte nur einen neuen schwarzen Anzug. Und schwarze Schuhe. “30 bucks per body”

Sobald ich eine Wohnung habe, werde ich mich aber wieder hauptsächlich um mein eigentliches Projekt kümmern.

Soweit ist also alles okay. Ich bleibe erstmal hier in San Francisco, Los Angeles vielleicht später einmal.

San Francisco | Link mich!
Kommentare:

Na, das war doch auf jeden Fall mal wieder einen Eintrag wert. Ich glaube ich müsste noch ein wenig abhärten um sowas mitzumachen ...

Tim am 06.04.06 um 16:59 Uhr

...ich lade dich zum Essen, in Clubs & Bars incl. allem Food und Getränke bist du nicht mehr stehen kannst, in SF ein, wenn du einen Leichentransport in Anzug durchführst und die Fotos hierzu bloggst! Ich komme dann umgehends nach SF zu dir ;)

Cheers, Sven
....ganz grosses Kino!

Sven am 06.04.06 um 18:30 Uhr

na die Wette nehme ich an!

Christian am 06.04.06 um 19:25 Uhr
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