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Donnerstag, 4. Mai 2006, 18:39 Uhr

Waschtag

... Hotspot in der Nähe und somit Zeit fürs Bloggen und eine ordentliche Runde Undankbarkeit.

Seit viereinhalb Wochen bin ich nun hier und seitdem frage ich mich, was an diesem Land eigentlich nicht schei#$e ist.

Mir fällt nicht viel ein. Also fangen wir als ordentlicher Deutscher mal schön mit vernichtenden Kritikpunkten an, bevor uns noch irgendetwas Positives einfällt.

Waschmaschinen: vor sich hinwackelnde (nicht rotierende) große aufrecht stehende Zylinder. Waschprogrammauswahl? Fehlanzeige! Temperaturwahl: Kalt, Warm (20 °C), “Heiß” (40 °C). Waschzeit: 20 Minuten. Passend dazu das Waschmittel: Zwei Arten zur Auswahl - Vollwaschmittel mit Bleiche oder Wollwaschmittel.

Autos: Schlucken Benzin in Gallonen (3,49 Liter, ca. US$ 3,32 momentan), beliebteste Variante sind Pickups (=riesengroße Blechkisten mit Starrachse und Blattfedern) oder das amerikanische Auto überhaupt - Honda Civics. Regelmäßige Sicherheitschecks scheints hier nicht zu geben, ich hab noch nie soviele verkehrsuntaugliche Wagen gesehen (Reifen platt, überall Beulen, totale Rostmühlen, geklebte Kotflügel, kaputte Lichter, Warnanzeigen auf dem Armaturenbrett werden grundsätzlich ignoriert). Blinken tut auch keiner, rechts überholen ist natürlich okay. Einziger Lichtblick: Die meisten wissen anscheinend, wie schlecht sie die Verkehrsregeln kennen und fahren recht defensiv.

Allgemein Technik: Auf dem Stand der 80er Jahre in Deutschland, wenn nicht schlimmer. Die Duschen sind fast so schlimm wie in Großbritannien - Wasser an oder aus, Strahlstärke nicht variabel, nur die Temperatur lässt sich regeln. Duschkopf in der Höhe verstellen? Warum? Stromsystem macht mir hier Angst, alles ist hier “Made in China” und auch genau so zuverlässig. Produktqualität scheint man hier auch nicht zu kennen - zusammennageln, hält, reicht doch. Löcher in den Straßen sind teilweise bis zu 10 cm tief, da kacheln wir dann alle durch.

Überweisungen von Konto zu Konto? Gibts eigentlich nicht, außer gelegentlich, wenn du bei der gleichen Bank wie dein Empfänger bist. Was tut man also? Man hebt Geld ab, geht zur anderen Bank und zahlt dort auf fremdes Konto ein. Alternative: Man schickt sich Papierschecks per Post!

Verbraucherrechte: Verbraucher-was? Auf den Verpackungen steht hier meist “sell by” anstatt “mind. haltbar bis” - symptomatisch hier. In Cross- und Up-Selling sind die Leute hier spitze, du wirst für jeden Vertrag noch mindestens fünfmal angerufen oder sonstwie mit Zusatzoptionen bombardiert. Datenschutz gibts hier nicht und Identitätsklau wird ganz groß geschrieben - wird einem ja aber auch ultraeinfach gemacht - hast du die Social Security Nummer eines Menschen und vielleicht noch irgendeine Karte (Führerschein, Kreditkarte, etc.) geklaut, dann kannst du eigentlich jeden Scheiss damit anstellen.

Menschen: Das da oben hat natürlich etwas damit zu tun, was die Käufer hier suchen und wie dämlich sie sich dabei anstellen. Kaum jemand kann hier wirklich langfristig denken - anscheinend günstige Lockangebote mit später einsetzenden Kosten, das zieht. Hauptsache, alles ist auf den ersten Blick billig - oh, und nicht zu vergessen - bequem. Die Faulheit der Leute ist unbeschreiblich. “Öko” bedeutet hier, dass man Papiertüten benutzt und als Drittwagen einen Toyota Prius fährt. Was hier in San Francisco außerdem noch beeindruckend ist, ist die Anzahl an verhaltensauffälligen Menschen. Neben den mehr oder weniger lebendigen Drogenabhängigen sind eine satte Anzahl von Typen unterwegs, die mit sich selbst, Bauwerken oder der Straße reden.

Dazu sind die Amis dumm wie Brot. Ich weiß, dass ich meine Vorurteile mit Hingabe hege und pflege, aber hier wird es einem echt einfach gemacht. Selbst in dieser Ecke des Landes, die noch eine der besser gebildeten ist, muss man angesichts mangelnder Intelligenz eigentlich ständig schreien. Bestes Beispiel war gestern, als ich an einer Art Treffen eins Debattier- bzw. Vortragsclubs teilnahm. Ein Thema: “Gun Control” - au Mann, 16-jährige in Deutschland bringen da besser überlegte Gedankengänge zustande. Aber natürlich immer eine Meinung haben, das ist super. Überhaupt - ein verfettetes, schmutziges, faules, lautes und ordinäres Proletenvolk. Binge-trinkende Riesenbabys ohne Plan. Abends ausgehen ist hier die Hölle, wenn man in den falschen Läden landet. Seitdem ich hier bin, habe ich überdies nicht einen attraktiven Menschen jedweden Geschlechts gesehen.

Essen: Wie erwartet/bekannt - alles schön in Familiengröße kaufen, Milch und O-Saft in Gallonen-Plastikkanistern, dann aber gleich mal zwei zum Preis von einem. Hauptsache auch immer schön Fleisch und Labberbrot. Zutaten? Ich guck lieber nicht mehr hin. Bei der Milch kann man extra welche kaufen, die von Kühen kommt, die nicht mit Wachstumshormonen behandelt wurden. Gemüse wird im Supermarkt im 30-Sekundentakt mit Wasser besprüht, alleine ein paar Dinge direkt aus Kalifornien oder Mexiko sind ganz gut (Orangen, Artischocken, einige Früchte/Gemüse). Mir fehlt normales Müsli, hier gibts nur alles ordentlich mit Zucker, Fett und Geschmacksstoffen.

Also, was ist hier eigentlich positiv? Ja Mann, die Menschen sind superfreundlich und aufgeschlossen. Bürokratie rangiert auf einem Minimum. Wetter ist spitze und ich höre nachts den Ozean rauschen. Es gibt hier Ecken mit unheimlich schöner Natur und vielleicht das ausschlaggebendste: Niemand geht mir auf die Nerven. Ich kann mein Einsiedlerleben führen, so wie ich das für richtig halte. Also, worüber beschwere ich mich? Tu ich ja gar nicht, das Leben schmerzt nur einfach, egal wo.

Gedanken, San Francisco | Link mich!
Kommentare:

Also das mit den Checks ist so: wenn du einen Wagen kaufst macht der Verkäufer einen kurzen Check und klebt dann das Datum auf die Windschutzscheibe. Das ging bei mir damals 5min (die Reifen waren übrigens bei dem 1000$ Ford bereits rund wie eine Murmel).

Attraktive Frauen gibt es üblicherweise schon ... leider schwankt das aber stark zwischen Evian-Blond-Barbie und Diabetis-Fett-Schwarz (kein Vorurteil). Die Mittelschicht fehlt irgendwie auch dort.

Brot von WalMart (insbesondere das Baguette) ist wirklich eine Vergewaltigung und unfassbar schlecht. Am Schluss hatte ich dann ein Brot das extra von der Herz-Kreislauf-Liga empfohlen wurde ... das war dann zwar auch noch ekelhaft weich aber wenigstens nicht weiss.

Vielleicht klappt es das nächste mal in SF ...

Felix

Felix am 05.05.06 um 02:09 Uhr

Wenn du dich mal wieder mit jemand “normalen” aus Good old Europe unterhalten möchtest, der gutes Essen schätzt, dann kontaktier doch einfach mal das Mädel hier. http://www.wasmachtkitty.de

Ist ne Bekannte von mir, und seit gut 2 Wochen in SF.

;-)

Steffi am 05.05.06 um 02:28 Uhr

HoHoHo, harter Tobak :)
Nach 2 Monaten in SFO muß ich dir in vielen Dingen zwar Recht geben, aber nicht in allem:

Waschmaschinen: Die eingeschränkte Wahl der Programme und der Waschmittel mag ja stimmen - aber was ich bisher gesehen habe rotiert sehr wohl. Keine Ahnung ob eine komplexere Auswahl von Waschmitteln und Waschprogrammen nicht der Durschnittseinwohner überfordern würde *fg*

Autos: 100% Agree - Was hier rumfährt würde der TÜV bereits nach Begutachtung aus 200m Entfernung aus dem Verkehr nehmen :) Blinken tun sie hier aber dann doch, zumindest auf den Highways zum Spurwechsel - beim abbiegen in der Stadt allerdings nicht. Hinzu kommt daß man hier sehr gerne mitten auf dem Fußgängerüberweg stehen bleibt und die Leute die per pedes unterwegs sind dann einen kleinen Hindernisslauf durch die Wagen unternehmen müssen (sh. http://blog.subnetmask.de/2006/04/05/rucksichtslos/)

Technik: Stromsystem und Straßen gebe ich dir recht - ich traue mich schon oft nicht mal über bedenkliche Schachtabdeckungen zu gehen, man könnte ja einbrechen ;) - alles wirkt gerade abseits der Haupstraßen leicht marode.
Geld: Im Land des Kommerzes ist das totale fehlen von Überweisungen wirklich ziemlich nervig - außerdem wird man komisch angeguckt wenn man größere Beträge bar zahlt und nicht mit Kreditkarte.

Verbraucherrechte: Agree - schlimm sind auch diese Anruf-Automaten die einem den Anrufbeantworter fast täglich mit Voicespam vollquatschen. *nerv*

Menschen: Billig, bequem und wenns was zu essen ist süß - und schon sind die Leute glücklich. Finde es schön daß das mit den Verhaltensgestörten auch mal wem anderes aufgefallen ist :) - american psychos sieht man hier leider zuhauf rumlaufen - zum Glück scheinen sie aber zu 99% harmlos zu sein. Umweltschutz gibts hier tatsächlich nicht wirklich - alles nur Fassade und Gewissensberuhigung der Massen. Ob die Augenwischerei “Grüner Punkt” in D aber so viel besser ist ? oO
Und Proleten gibts auch genug in D und hier alle prinzipiell als dumm hinzustellen - Naiv und ohne den entsprechenden Weitblick triffts wohl besser. Und attraktive Menschen sind zwar selten, das stimmt, aber es gibt sie! :)

Essen und Einkaufen: Man passt sich an - aber Brot ist das schlimmste hier: schlabberig und süß - außerdem gibt es nur Butter die im Kühlschrank hart wir Granit wird und wenn man sie draußen lässt zerfließt. Hart lässt sie sich nicht schmieren, nur ein kleinen Scheiben auflegen und weich ... na ja. Einzige Alternative ist “You can’t believe it’s not butter” - so ein Zeug aus der Sprühdose womit man zumindest seinem Belag etwas halt geben (http://blog.subnetmask.de/2006/04/07/icbinb-test/)

Natürlich sind die Menschen hier freundlich - aber meistens halt nur oberflächlich. Antworte mal auf das kategorische “How are you?” damit daß es dir net so gut geht und was du alles besch**** findest - und siehe wie schnell sich alle von dir abwenden :) Aber zum Einsiedlen und rummachen - agree - perfekt. Ozean und Landschaft sind besser als alles was ich aus D kenne.
Gruß
JaBBa

JaBBa am 05.05.06 um 12:31 Uhr

*grins* - ja, da sind wir aber doch zu 99% auf Linie? ;)

Wegen der Waschmaschinen - check das mal, du kannst ja meist den Deckel etwas anheben, ohne dass das Programm unterbrochen wird - im Waschgang wackelt die Trommel bei den meisten Modellen nur hin und her, nix Rotation (würde bei einem aufrecht stehenden Zylinder ja aber eh nix bringen).

Grüner Punkt - natürlich ist das ein eigentlich total hirnrissiges System - aber relativ gesehen zu hier geradezu ökoterroristisch.

Und JA, Proleten gibts auch in Deutschland. Und die Naivität in Hongkong ist auch unermesslich - allerdings mit einem Unterschied: Amerikaner sind dummdreist und haben eine Meinung, auch wenn sie keine Ahnung haben. Asiaten sind da doch etwas höflicher (und insgesamt auch leiser, gottseidank).

Wo ich dir widersprechen muss - mir gefällt das “how are you” als Ersatzfloskel für “Guten Tag”. Ich habe mich heute in der Bank locker mit den Angestellten unterhalten, während ich in der Schlange wartete und dann, als ich Geld abhob. In der anderen Bank hieß es dann “hope you have a wonderful day” und “have a nice weekend”. Mir gefällt das. Blöde deutsche Griesgrämigkeit. Ich will *tatsächlich* nicht immer wissen, wie schlecht es anderen Menschen gerade geht. Ich für meinen Teil bin danach zumindest vergnügt nach Hause gegangen.

BTW: Bitte nicht vergessen - was ich hier schreibe, sind grobe Verallgemeinerungen und das da oben ist natürlich eine Tirade und somit eine überspitzte Darstellung. Wie in jedem Land gibt es hier positive und negative Seiten sowie angenehme und unangenehme Zeitgenossen. Ich bin mir zu 100% sicher, dass mich auch nicht jeder mag ... =)

Christian am 05.05.06 um 15:27 Uhr

...ich habe mich in Kitty verliebt! *g

irgendjemand am 06.05.06 um 16:27 Uhr

Also meine Waschmaschine dreht sich - wenn ich den Deckel öffne stoppt sie natürlich :) Aber das Waschen hier ist wirklich nicht mit dem in Europa zu vergleichen - wobei sich mir auch die Frage stellt ob die hunderte von Waschmitteln für alles Mögliche die es bei uns gibt nicht einfach nur ein Trick der Waschmittelindustrie ist um die Vebraucher abzuzocken. Sauber wird hier ja auch ;D

Bezüglich Freundlichkeit: Ich sehe daß ja nicht unbedingt als Negativ - da habe ich mich vielleicht nur ungünstig ausgedrückt. Es kann sich durchaus ein nettes Gespräch daraus entwickeln. Als “griesgrämiger” Deutscher muß man sich erst einmal dran gewöhnen. Ich gebe offen und ehrlich zu daß ich am Anfang nicht so recht wußte wie ich auf das allerortens zu höhrende “How is it’s going?” reagieren soll. Aber man gewöhnt sich recht schnell dran.

@irgendjemand: Wer ist kitty ? ;)

JaBBa am 06.05.06 um 19:28 Uhr

Thema Waschmaschine:
das koennen die Australier auch nicht besser. Die Trommel ist horizontal und grehen tut sich nur der pole in der Mitte, der mit 2 Schaufeln die Waesche etwas durchwuehlt. Schleudern tut sie aber. Wahlprogramme kalt, warm und heiss - Waschdauer 30Min. Alle Besserverdiener haben aber ne gute Miele stehen…
Das “How is going” gleich nach dem “G’day, mate” ist obligatorisch.
Brot - katastrophe. Es gibt keinen Quark in Oz. Das ist schlecht, ansonsten SEHR gutes Essen.
Auto: Wenn man hier nicht mindestens 4.0l unter der Haube hat, ist man nicht ernstzunehmen. Wird aber langsam besser. Als Backpackerauto haben wir uns mal einen Ford Falcon ausgeliehen, hatten nix anderes. 4.6l und 320PS - ideal zum oekonischen Reisen…
In technischen Angelegenheiten muss man sich als Deutscher eben selbst als elitaer akzeptieren und sich lernen zu arrangieren.
Landschaft, Straende, Palmen und relaxen koennen sie genauso wie die Amis, wenn nicht besser…
Oz rulez :)

P.S. ich find Kitty toll!!!

Martin am 07.05.06 um 02:48 Uhr

Oh mann, Ihr habt alle Probleme....nach oben, rechts, vertikal oder sonstwie drehende Waschmaschinen....Ich fass es wirklich nicht :-)

lifestyleschlampe am 07.05.06 um 13:01 Uhr
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