Ich bin gerade zurück von einem viertägigen Aufenthalt in L.A. Das dritte Mal jetzt. Wieder einmal mit dem Auto. Die erste Fahrt damals ging den Highway No. 1 runter, diesmal gings nur darum, den in SF günstig bekommenen Mietwagen so schnell wie möglich die 385 Meilen zum Custom Hotel zu jagen. Das war zumindest der Wunsch. Realität waren statt der anvisierten viereinhalb dann doch knapp sechs Stunden Fahrtzeit, obwohl ich die Karre die meiste Zeit außerhalb der zugelassenen US-Limits fuhr. Immerhin, es ging alles gut. Mit Navigationssystem fahren ist irgendwie ähnlich wie Rechnen mit Taschenrechner: Man wird merkwürdig blind dafür, wo man eigentlich ist und was man tut. Geradezu entmündigend und eigentlich fast peinlich, sich für Amerikas simples Straßensystem überhaupt auf so eine Gehhilfe zu verlassen.
Ich weiß nicht warum, aber während der letzten Aufenthalte war Autofahren dort superentspannt. Ganz im Gegenteil zu den eher der Normalsituation entsprechenden Gegebenheiten diesmal: Stau, Hitze, Road Rage und die gefährlichsten und aggressivesten Fahrer überhaupt. Nur knapp zwei Unfällen entgangen am Freitag. Kein Vergleich zu San Francisco. Dann die nervigen Distanzen. Und die Erkenntnis, dass ich immer amerikanischer werde bzw. mich sehr an die lokalen Gegebenheiten anpasse. In SF undenkbar, aber in L.A. normal: Lieber noch einmal um den Block fahren und auf einen Parkplatz hoffen, statt 100 Meter zu Fuß zu gehen. Auch die Vorteile von Valet-Parking: Wenn ich schon eine halbe Stunde für eine Meile Distanz gebraucht habe, ist es natürlich absolut in Ordnung, jemandem 15 Dollar in die Hand zu drücken, damit man direkt aus dem Auto ins Restaurant stiefeln kann. Mir auch vollkommen egal, was mit dem Wagen passiert, während ich esse. Hauptsache, ich kann gleich wieder abfahren, wenn ich bezahlt habe. Passt gut, dass ich in einem Chat mit einem deutschen Freund vor ein paar Tagen “the latest” verstand, als er “das Letzte” schrieb.
Das Programm für das verlängerte Wochenende war fast identisch wie sonst auch: Shoppen, Essen, Musik. Freitagvormittag Sample-Sale im Fashion District und Besuche bei Kitson & Co. in West Ho bzw. Fred Segal und Konsorten auf Melrose. Zwei T-Shirts, ein Pullover, eine Jacke (aua, Kreditkarte). Geht. Bei Schuhen muss ich mich zurückhalten. Ich habe zwar nicht genug, aber zu viele. Konnte keine guten Shorts finden. PRPS für $288 war mir dann doch zu heftig.
Essen: Izayoi verpasst leider, weil Sonntags geschlossen. Dafür mal zur Abwechslung gutes Dim Sum. Warum ich in San Fran keine guten Dim Sum-Restaurants finden kann, ist mir ein Rätsel weiterhin. Freitagabend Mathew Johson, Samstag witzigerweise SF DJs. Leider beides etwas verk*ckt, Freitag stand eh unter ‘nem miesen Stern und Samstag war auch echter Mist. Hoffentlich besser nächstes Mal ...
Der Angeleno-"Vibe" - so sehr ihn die San Franciscans hassen mögen - passt mir irgendwie. Ich mag die Hitze, die latente Angeberei und dass die Leute nicht so introvertiert wie hier sind. In San Francisco wachsen mir zu wenig Palmen und auf die nasse Kälte und den Wind abends kann ich gern verzichten. Trotzdem kein Wunder, dass viele Menschen die Stadt hier bevorzugen. Immerhin kann man hier zu Fuß gehen, es existieren echte Stadtviertel und selbst die gefährlichsten Gegenden erscheinen harmlos im Vergleich. Ich möchte trotzdem gerne mal sehen wie es ist, längere Zeit in SoCal zu leben.
Sonst läufts eigentlich ganz gut. Nachdem ich die esten Wochen nach der Rückkehr aus HK echt nicht glücklich war, habe ich mich mit der Situation arrangiert. Ich genieße, dass ich gut schlafe und auch sonst sehr ausgeglichen bin. Menschen, die nie Schlafstörungen hatten, werden die “Normalität” nie richtig schätzen lernen können. Außerdem gehe ich wieder regelmäßig ins Gym - vier Tage die Woche - und das sieht man auch. Finanziell bin ich nicht da, wo ich sein möchte, aber die Unzufriedenheit darüber ist eine positive - Ansporn zur Veränderung.
Mein Zeitplan steht jedenfalls: Noch zweieinhalb Jahre bis zur Staatsbürgerschaft. Die Zeit werde ich nutzen, alle meine Optionen in den Staaten auszuchecken. Den Anschluss an Hongkong will ich aber trotzdem nicht verlieren. Mal sehen, was kommt.
Tut mir leid für den belanglosen Inhalt. Ich muss mich mal wieder sortieren, aber ich finde keine ruhige Minute dafür momentan.
wirst wohl echt langsam zum “ami”! sprit verschwenden ohne ende, lol. ich habe mal einen bericht gesehen, wo gesagt wurde, das es über 400 gangs allein in lon angeles gibt. wenn das stimmt, ist l.a. wohl echt ein riesengefährliches pflaster. die ewige hitze, könnte mir vorstellen, das die nach einer gewissen zeit nervt, weil man doch irgendwann wieder den kühlen regen spüren will, oder wie siehst du das?
Hey, super mal wieder was zu lesen, seit wochen click ich und nix passiert, ha ha.. auf jedenfall netter text .. wird schon alles :)
Hallo
Tönt gut (und schlecht). Aber wie machst du das, in USA zu leben und bald Staatsbürgerschaft zu erhalten? Hast du eine Green Card gewonnen??
Aber HK ist ja auch ein Traum. *schwelg*
Grüsse unbekannterseits
Phil
Gutes Dim Sum gibts im Empress Pavilion in Chinatown. Falls du das noch nicht kennen solltest
http://www.empresspavilion.com/
Fand in SF nicht wirklich gutes dim sum.
Gruesse aus LA